LAND IN SICHT NEWSFLASH #1: Trump, Iran, der Waffenstillstand und die Folgen / KT Guttenberg & Klaus Brinkbäumer
Shownotes
Was ist los mit Trump und dem Iran?
Hat Donald Trump mit dem jüngsten Schritt gegenüber dem Iran den Krieg beendet – oder nur vertagt? In dieser Spezialfolge von Land in Sicht ordnet KT Guttenberg die Lage nach der vereinbarten Waffenruhe ein: als „Offramp“, nicht als Exit. Die akute Eskalation ist entschärft, doch die strukturellen Konfliktursachen bleiben bestehen.
KT Guttenberg beschreibt ein wiederkehrendes Muster in Trumps Außenpolitik: erst maximale Drohkulisse, dann im letzten Moment der Rückzug in einen Deal. Eine zweiwöchige Waffenruhe, vermittelt u. a. über Pakistan und wohl auch China, wird so als diplomatischer Erfolg gerahmt. Militärisch ist die Situation vorerst beruhigt – strategisch bleibt jedoch nahezu alles ungelöst: Regime und Revolutionsgarden sind intakt, und die Bestände an nahezu waffenfähigem Material gelten als im Kern unangetastet.
Wie kalkuliert ist dieses Vorgehen? KT spricht von einer Mischung aus Instinkt und Improvisation – Krisenmanagement „auf Sicht“ statt belastbarem Konzept für die Zeit danach. Auch andere Stimmen betonen die Ambivalenz: riskante Rhetorik, fragiler Waffenstillstand, mögliche „forever crisis“.
Zuletzt kurz zu: US-Innenpolitik, Kongress, Midterms, sowie Folgen für Ölpreis, Straße von Hormus, Inflation und die Weltwirtschaft – von Europa bis zu Schwellenländern.
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Transkript anzeigen
00:00:01: Land in Sicht, der News Talk mit Klaus Brinkbäumer und Franz.
00:00:07: Ein Gutenberg-Podcast!
00:00:10: Herzlich willkommen zu Land in Sicht einer Sonderausgabe einem Newsflash-Interview nennen wir es einmal so.
00:00:18: In den vergangenen Tagen hat die Welt – ich glaube nicht dass das übertrieben ist mal wieder nach Washington gestarrt auch nach Tehran aber nach Washington deshalb weil Donald Trump der Präsident ein Ultimatum formuliert hatte Und unter anderem mit dem Auslöschen einer Zivilisation, er meinte natürlich die Iranische Gedroht hatte.
00:00:41: Das
00:00:41: haben nicht wenige Menschen als Androhung eines Nuklearschlages interpretiert und gedeutet – und er hatte mit Angriffen auf die iranische Infrastruktur.
00:00:52: inklusive Entsalzungsanlagen gedroht, was wederum ein Kriegsverbrechen gewesen wäre.
00:00:58: Der Konjunktiv ist wichtig.
00:01:00: dazu ist es nicht gekommen.
00:01:01: jetzt ist es zu einem Waffenstillstand gekommen und darüber möchte ich reden mit Kathi Gutenberg.
00:01:07: Kathi hat Donald Trump mit diesem jüngsten Schritt gegenüber Iran den Krieg nun beendet oder nur vertagt?
00:01:16: Also Klaus Ich wäre ich, glaube ich sehr vorsichtig bereits von einer Beendigung zu sprechen.
00:01:20: Die Waffenruhe ist ein Off-Ramp wie man sagt aber kein Exit.
00:01:24: sie entschärft die akute Eskalation aber ohne die strukturellen Konfliktursachen auch nur annähernd zu lösen.
00:01:31: Was genau meinst du mit diesem Begriff off ramp?
00:01:35: und wie hat Trump sich aus der Eskalations heraus manövriert?
00:01:41: Wir sehen das typische Trumpmuster erst werden Apokalyptische Drohungen aufgebaut und hier hat er sein bisheriges abgründiges Niveau nochmals dramatisch unterboten, also einschließlich der rhetorischen Bereitschaft zur Zerstörung der Zivilisation.
00:01:55: Das muss man sich nochmal vorstellen.
00:01:57: Und dann folgt im letzten Moment der Rückzug in einen Deal.
00:02:00: Also konkret nutzt er eine zweiwöchige Waffenruhe vermittelt u.a.
00:02:04: über Pakistan und wohl auch sehr durch China um eine selbst erzeugte Eskalationsspirale im Nachhinein noch als diplomatischen Erfolg zu verkaufen.
00:02:13: Wenn die Lage jetzt militärisch vorerst beruhigt ist, was bleibt ungelöst?
00:02:19: Na
00:02:19: fast alles, was wirklich zählt.
00:02:21: Also ihre Hans-Regime steht noch und zwar ohne den Supreme Leader.
00:02:25: Die Revolutionsgarten sind aber intakt und die Bestände an nahezu waffenfähigen Material im Nuklearbereich in dem Kern unangetastet.
00:02:31: also die USA haben zwar militärische Überlegenheit demonstriert Aber am strategischen Dilemma ein feindliches nuklearfähiges Regime zu tolerieren und eine neue Eskalation zu riskieren oder eine solche zu riskieren, hat sich eigentlich wenig bis nichts geändert.
00:02:47: Und wie ordnest du Trumps Verhalten strategisch ein?
00:02:51: War das kalkuliert?
00:02:52: Wollte er es durch diese Eskalationen bis zum Ende zu einem wie erst ja immer nennt Deal treiben oder war das alles eher improvisiert?
00:03:02: Naja, es ist für ihn eine typische Mischung aus Instinkt und Improvisation.
00:03:06: also... Trump überträgt die Logik, die perfide Logik New Yorker Immobiliendeals auf die Nuklear-Krise.
00:03:13: Wir maximal drohen rote Linien überschreiten im letzten Moment zurückrudern das funktioniert taktisch.
00:03:18: er kommt noch einmal so von der Klippe runter aber strategisch bleibt es ein Krisenmanagement auf Sicht also ohne belastbares Konzept für die Zeit nach dem Waffenstellstand.
00:03:27: Wie bewerten denn andere dass was da geschehen ist?
00:03:29: Nennen wir sie mal geopolitische Analysten.
00:03:32: teilen Sie deine Meinung?
00:03:33: Natürlich gibt es Differenzierungen, aber die Tendenz ist relativ gleichlautend.
00:03:38: Also das Wall Street Journal beispielsweise hebt so eine Ambivalenza vor.
00:03:42: Trumps Zielauswahl war militärisch für sie teilweise sinnvoll.
00:03:46: Gleichzeitig drohte er mit Angriffen auf zivile Infrastruktur was politisch und moralisch hochriskant natürlich auch verwerflich ist.
00:03:54: Der Economist, ein anderes großes Blatt wiederum liest ihn Offramp als ein Zeichen amerikanischer Schwäche.
00:03:59: Also die USA sind bereit massiv zu eskalieren aber nicht bereit die Kosten eines Regime-Change Krieges dann auch zutragen.
00:04:06: und heraus kommt eine Art Forever Crisis Und der FT aus dem angelsächsischen Bereich.
00:04:11: da hört man vor allem eines Die schlimmste Eskalation ist vorher erst abgewährt.
00:04:16: Aber das ist dann kein stabiler Frieden sondern eher ein fragiles Intervall.
00:04:21: Und welche Rolle spielt bei all dem die innenpolitische Lage in den USA?
00:04:25: Insbesondere natürlich der Kongress, der diesen Krieg ja nie autorisiert hat.
00:04:31: Na gut!
00:04:31: Die Frage ist zentral – das weißt du, Klaus.
00:04:33: als Amerika-Känner im Kongress wächst bereits der Widerstand gegen jede Vereinbarung, die als zu nachgiebig gegenüber Iran interpretiert werden könnte also ohne einen Prüfprozess wie es damals zum Jahr zwei Tausend Fünfzehn etwa der Fall war Und das macht die Waffenruhe politisch fragil.
00:04:47: Also sie kann jederzeit von innen heraus auch unterminiert werden, wenn Trump beispielsweise jetzt innenpolitisch Stärke demonstrieren will oder die Republikaner einen härteren Kurs verlangen und gleichzeitig muss er auch die Mitterwahlen im Herbst im Blick behalten weil die Kernwählerschaft wirklich ablehnend gegenüber jeglicher Kriegsbeteiligung steht.
00:05:07: Und dann gilt es die wirtschaftlichen Folgen zu bedenken Spritpreise, Inflation all das dann auch einzuhägen.
00:05:12: also das ist sehr innenpolitisch.
00:05:15: Kann man heute schon sagen, was dieser Waffenstillstand nun für die Weltwirtschaft bedeutet?
00:05:20: Kurzfristig nimmt er den Märkten diesen unmittelbaren Schock.
00:05:23: Wenn die Straße von Hormus nicht mehr blockiert ist dann können diese Ölpreise auch von diesem von diesen Spitzen dann runter kommen.
00:05:28: Risikoaufstäge im Energie-Sektor können sinken und die Börsenwolladität entspannt sich dann auch etwas.
00:05:35: aber mittel und langfristig bleibt so wie eine geopolitische Risikoprämie.
00:05:39: Energie Aus der Golfregion wird politisch teurer und Investoren preisen die neue Unsicherheit dann eben auch dauerhaft ein.
00:05:47: Kannst du das an zwei Beispielen festmachen, Europa betreffend?
00:05:51: Und die Schwellenländer?
00:05:53: Das ist eine schwere Frage für Europa.
00:05:56: Da könnte das heißen eine dauerhafteure Energiepreisbasis als Vorderkrise und da sind wir schon sehr weit oben.
00:06:02: mehr Debatten über strategische Reserven LNG Terminals und auch die Rolle amerikanischer Lieferungen Und das kann sehr ungemütlich werden, sozial und fiskalisch wenn dann eben dieser Preisdruck anhält.
00:06:14: Für Schwellenländer die Energieimport abhängig sind ist der Waffenstillstand eher ein Pyrus-Sieg.
00:06:18: also der Preisschock geht zwar zurück dafür bleiben Ruhezinsen schwache Währungen und einen sehr enger fiskallischen Spielraum Also bei gleichzeitig dauerhaft eingepreisten geopolitischen Risiken.
00:06:30: Und wenn wir auf die kommenden Monate blicken, was ist dein Szenario?
00:06:34: Was hältst du für wahrscheinlich?
00:06:35: Wir stehen nicht vor einem Punkt glaube ich sondern vor einem Doppelpunkt.
00:06:39: Also der Off-Ramp markiert eher eine Atempause in der weder Washington noch Iran ein Interesse an sofortiger Eskalation haben können.
00:06:47: aber solange Nuklearprogramm, die Regime Stabilität und auch die regionale Machtprojektion und die Glaubwürdigkeitskrise amerikanischer Sicherheitszusagen ungelöst bleiben ist dieser Waffenstillstand eher eine neue Normalität der Unsicherheit als der Beginn einer, wenn man so will stabilen Nachkriegsordnung.
00:07:07: Und Kathi gibt es aus deiner Sicht einen Ausweg von dieser Forever Crisis?
00:07:14: Naja Klaus theoretisch ja praktisch ist er politisch extrem schwer.
00:07:19: also man bräuchte eine Kombination aus einem glaubwürdigen überprüfbaren Abkommen zur Begrenzung des iranischen Nuklearprogramms.
00:07:28: Man braucht eine regionale Sicherheitsarchitektur und man braucht klare rote Linien, die beide Seiten da noch ernst nehmen.
00:07:34: Und derzeit sehen wir aber eher das Gegenteil.
00:07:36: Tiefes Misstrauen ist ja nochmal gewachsen insbesondere seit dem Ausstieg aus dem alten Atomediel durch Iran und eine US-Politik, die maximale Flexibilität für sich beansprucht ist der Euphemismus des Tages.
00:07:47: es ist kein gutes Fundament für einen echten Exit Also Land in Sicht?
00:07:52: Ich weiß es nicht.
00:07:53: Also eher ist so ein Inselchen gerade im Sicht und die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt, aber bis wir am Festland also um die Metapher zu nutzen angekommen sind wird noch Zeit vergehen.
00:08:05: Der Iran übrigens hat diesen Waffenstillstand als großen Sieg gefeiert Amerika sei an den Verhandlungstisch gezwungen worden ohne irgendetwas gewonnen zu haben Und natürlich ist das Regime weiterhin im Amt in Tehran.
00:08:21: Washington allerdings hat nichts anderes gesagt, hat von einem Sieg gesprochen.
00:08:25: Die Straße von Hormus schließlich sei wieder frei!
00:08:29: Die Regierung in Washington weist nicht so gerne darauf hin dass die Straße vom Hormuz auch vor diesem Krieg frei war.
00:08:35: Das wars mit dieser Sonderausgabe diesen Newsflash-Interview von Landinsicht.
00:08:39: Sie wissen normalerweise und auch in der kommenden Woche wieder hören sie uns immer Dienstags Bis bald.
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